Kicker im Pausenraum – ist das Employer Branding?

Employer Branding ist ein Thema, welches schon seit einigen Jahren nicht mehr aus dem Personalwesen weg zu denken ist. Doch was versteckt sich eigentlich wirklich dahinter? Einfach übersetzt heißt es Arbeitgebermarkenbildung. Ist sicher kein so schönes Wort wie im Englischen, bleiben wir aber dabei. Es geht also darum aus dem Arbeitgeber eine Marke zu machen. Da werden als erstes Marketing-Experten hellhörig und freuen sich auf neue Arbeit. Aber das Unternehmen als Arbeitgeber zu positionieren ist doch etwas anderes als ein greifbares Produkt zur Marke zu machen. Und braucht auch anderes Wissen. Was braucht es also um eine Firma auf dem Markt der Beschäftigung so zu platzieren, dass jeder dort so gerne arbeiten würde wie er eine Sanella zum Backen oder eine Rama zum Frühstück hätte?

Gerade neulich habe ich einen Artikel gelesen, der sehr deutlich gemacht hat, dass nicht jedes Unternehmen zu jedem Arbeitnehmer passt und dass das auch gar nicht das Ziel von einer Arbeitgebermarke ist. Genauso wie Levi’s Jeans nicht für jeden Geschmack etwas sind, ist es auch mit Unternehmen. Niemand sollte damit rechnen, dass nach einer Kampagne zur Arbeitgebermarke alle Bewerber nur noch für dieses Unternehmen arbeiten möchten. Es geht viel mehr darum gleich die passenden Bewerber zu begeistern und davon möglichst alle, die verfügbar sind.

Was hat das jetzt mit dem Kicker aus der Überschrift zu tun? Nun ja, jedes Unternehmen drückt sein Ich anders aus und zieht so auch andere Arbeitnehmer an. Nehmen wir eine junge Agentur in der vornehmlich Menschen arbeiten, welche gerade noch studiert und sich abends zum Kicker spielen und Bierchen in einer Eckkneipe getroffen haben. Hier dürfte ein Kicker im Pausenraum für eine lockere Stimmung und spaßige Pausen sorgen. Doch das gleiche Gerät in einem Unternehmen mit Kollegen mittleren Alters, welche für das Unternehmen körperliche Arbeiten vielleicht auch noch im Stehen erledigen, wird eher einstauben. Was soll das heißen? Nun ja, nur weil eine Sache bei einer Firma funktioniert und für Oh’s und Ah’s sorgt, bedeutet das nicht, dass es auch bei jeder anderen Firma genau so reproduziert werden kann.

Ahnen Sie auf was ich hinaus möchte? Ihre Mitarbeiter müssen die ersten Fan’s Ihrer Arbeitgebermarke sein. Denn sie sind quasi die Testkäufer, welche begeistert sein müssen, damit das Produkt zu einem Erfolg und zu einer Marke werden kann. Das Produkt ist in diesem Fall Ihr Ruf als Arbeitgeber, die Unternehmenskultur und das Arbeitsklima. Bleiben wir bei den beiden Betrieben mit dem Kicker. Ein Kollege aus der jungen Agentur wird in seinem Bekanntenkreis wohl etwas in diese Richtung erzählen: “Und wenn du mal eine Blockade hast und dir gar nichts Kreatives mehr einfällt, dann spielen wir halt eine Runde am Kicker. Und danach ist der Kopf frei und es funktioniert wieder.” Während einer der Mitarbeiter aus dem zweiten Unternehmen wohl eher so auf das Aufstellen eines Tischfußballs reagieren würde: “Jetzt hat der Chef doch tatsächlich Geld aus dem Fenster geworfen für so einen Tisch-Kicker. Wann sollen wir da dran denn spielen? Nach der Arbeit wenn unsere Füße eh schon weh tun?”

Also keinen Kicker, denken Sie jetzt. Das habe ich nicht gesagt. Aber wenn niemand in der Firma Spaß an einem Kicker hätte außer Ihnen, dann sollten Sie das Geld lieber in etwas anderes investieren. Jetzt mögen Sie fragen: Und in was bitte? Da gibt es keine pauschale Antwort, die für alle Unternehmen passt. Finden Sie dass was Ihren Mitarbeitern hilft selbst am Ende eines langen Arbeitstages noch froh zu sein bei Ihnen zu arbeiten. Vielleicht ist es Lob (kostet gar nichts), die Unterstützung bei einer Weiterbildung (wird teilweise gefördert) oder eine flexible Lösung für die neue Lebenssituation (kostet Sie im Zweifel weniger als die Einstellung eines neuen Kollegen). Am besten fragen Sie Ihre Mitarbeiter, was Sie in Ihrer Firma glücklich macht oder noch mehr motivieren könnte. Denn seien Sie mal ehrlich – Gedanken lesen wäre super, ist aber utopisch. Damit Sie sich mit Ihren Maßnahmen nicht in die Nesseln setzten, brauchen Sie Hilfe und zwar als erstes die Ihrer Angestellten!

Wenn Sie wissen, was sich Ihre Mitarbeiter wünschen oder was sie jetzt schon toll an ihrem Arbeitsplatz finden, kann ein Konzept zur Einführung dieser Maßnahmen ausgearbeitet werden. Denn zu wissen was getan werden muss und es dann zu tun sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Nicht wenige Unternehmer haben sich an der Umsetzung versucht, haben aber mehr Unheil angerichtet als Gutes getan und wollten dabei doch eigentlich die Situation für ihre Angestellten und das Unternehmen verbessern. Blinder Aktionismus hilft hier genauso wenig wie auf den Sankt Nimmerleinstag zu warten. Eine Strategie mit Struktur, festen Terminen und einer Entwicklungs- bzw. Anpassungsmöglichkeit ist bei der Umsetzung genauso wichtig wie die Meinung der Mitarbeiter bei der Zusammenstellung des Konzeptes.

Nachdem Konzept und der Einführung muss Ihre Marke kommuniziert werden. Das können die PR- und Marketing-Experten tatsächlich am besten. Doch passen Sie auf. Nur weil gerade etwas sehr beliebt laut einer Umfrage ist, schreiben Sie es sich nicht auf die Fahne, wenn es nicht zu Ihnen und Ihrer Firma passt. Eben genau wie mit dem Kicker. Denn gerade die externe Kommunikation muss dem internen Bild entsprechen. Eine Diskrepanz führt nicht nur zu Absagen von potenziellen Mitarbeitern oder Kündigungen bei neuen Arbeitnehmern – wie in diesem Artikel bei haufe.de beschrieben – sondern auch zu Imageproblemen. Denn 80% der deutschen Arbeitnehmer reden mit Ihren Freunden und Familien über ihre Erfahrungen bei Bewerbungen. Bei einer so hohen Verbreitungsrate kann selbst ein großes Budget für das Employer Branding irgendwann nicht mehr dagegen halten und die Unstimmigkeiten werden aufgedeckt. Und das bedeutet zumeist nicht nur schlechte Bewertungen für Ihre Arbeitgebermarke, sondern führt auch zu Spill-Over Effekten auf Ihr eigentlich Produkt.

Nehmen Sie sich also die Zeit herauszufinden, was für Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Angestellten an Maßnahmen passt und brechen Sie nichts über’s Knie. Denn es sind gerade die Stimmung im Unternehmen und seine Kultur von denen die Marke Arbeitgeber lebt. Und so etwas kann nicht von Heute auf Morgen verändert oder in Rahmen gezwängt werden. Gehen Sie es mit Ruhe und Unterstützung von Spezialisten an.

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